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Sankt Goarshausen
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Rheinland-Pfalz, Rhein-Lahn-Kreis, 2000 E., 64 m |
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Textfassung aus "Der romantische Rhein" von Thomas Krämer, © Rhein-Mosel-Verlag |
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| Auf einen Blick: Loreley-Felsen mit Besucherzentrum, St. Goarshausen Runder Turm, Viereckiger Turm (14. Jh.) Turm, Altes Rathaus (16. Jh.), evangelische Kirche (19. Jh.), Pfarrkirche (20. Jh.), Burg Katz (14./19. Jh.), Ruine Reichenberg (14. Jh.), Wellmich: Burg Maus (14./19. Jh.), Pfarrkirche St. Martin. Von Kaub kommend folgt man der B 42. Das Flussbett wird immer enger, kurz vor St. Goarshausen liegt mit 130 Meter die engste Stelle. Dort ragt der berühmte und viel besungene Loreley-Felsen 120 Meter hoch über den Strom. Wenn die Schiffer der vergangenen Jahrhunderte die Loreley passiert hatten, konnten sie aufatmen, hatten sie doch ihre Fracht glücklich und unbeschadet an den gefährlichen Klippen im Fluss vorbei manövriert. Kein Wunder, dass sich allerlei Sagen um den gefährlichen Ort rankten. Erst Clemes Brentano aber personifizierte den Namen des Berges in Gestalt der verführerischen Zauberin, gab ihr aber einen anderen Wohnsitz, nämlich Bacharach. »Zu Bacharach am Rheine/Wohnt eine Zauberin,/Sie war so schön und feine/Und riß viel Herzen hin./Und brachte viel zu Schanden/Der Männer ringsumher,/ Aus ihren Liebesbanden/War keine Rettung mehr.« heißt es in der Ballade aus seinem ersten Roman »Godwi oder das steinerne Bild der Mutter« von 1802. Vom Bischof geladen und ins Kloster geschickt, stürzt sie sich vom Felsen in den Strom. Heinrich Heine gab dann 1824 dem Mythos die Form, die dank Silchers Vertonung ein Volkslied wurde und sich jeden Tag aus ungezählten Schiffslautsprechern am Felsen bricht. Vielleicht ist es gut, dass der Bau der Eisenbahn das einst berühmte Echo hier zerstört hat. Manchmal hat man den Eindruck, jeder Japaner beherrsche die Verse im Schlaf. Eigentlich unnötig, sie noch einmal abzudrucken, aber sie gehören eben unzweifelhaft hierher: Heinrich Heine (1797-1856) Lore-Lei Ich weiß nicht was soll es bedeuten Daß ich so traurig bin; Ein Märchen aus alten Zeiten, Das kommt mir nicht aus dem Sinn. Die Luft ist kühl und es dunkelt, Und ruhig fließt der Rhein; Der Gipfel des Berges funkelt Im Abendsonnenschein. Die schönste Jungfrau sitzet Dort oben wunderbar; Ihr goldnes Geschmeide blitzet, Sie kämmt ihr goldenes Haar. Sie kämmt es mit goldenem Kamme Und singt ein Lied dabei; Das hat eine wundersame, Gewaltige Melodei. Den Schiffer im kleinen Schiffe Ergreift es mit wildem Weh; Er schaut nicht die Felsenriffe, Es schaut nur hinauf in die Höh. Ich glaube, die Wellen verschlingen Am Ende Schiffer und Kahn; Und das hat mit ihrem Singen Die Lore-Lei getan. Zahllose Neufassungen und Parodien gibt es, von Karl Valentin über Erich Kästner bis zur famosen »Toreloreliese« von Cornelis Buddingh, und auch die bildende Kunst arbeitete sich breitest am Thema ab. Die Nationalsozialisten errichteten hier einen Thingplatz und die bis heute genutzte Freilichtbühne. Inzwischen locken harmlosere Dinge. Die berühmten Rock-Events, aber auch das Besucherzentrum mit seiner Multi-Media-Schau und einer gut sortierten Buchhandlung, ein Hotel, ein Rundwanderweg und, das Beste, die absolut wunderbare Aussicht. Und manchmal, selten zwar, hat man Glück, und es ist richtig still. Dann lebt der Mythos, und eine leichte, angenehme Gänsehaut stellt sich ein. Die kleine Stadt St. Goarshausen liegt inmitten idyllischer Weinberge zu Füßen von Burg Katz. Zu ihr gehören die Stadtteile Ehrenthal, Heide und Wellmich. St. Goarshausen ist heute Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde »Loreley« mit 17 Gemeinden. Somit hat es richtig Karriere gemacht, bedenkt man seine Anfänge. St. Goarshausen verdankt seine Existenz der Ansiedelung des Mönches Goar gegenüber im heutigen St. Goar. Die Rechte über die Gemarkung St. Goarshausen mit der noch unbedeutenden Ansiedlung wurden von dem Erzstift Trier als Lehen vergeben und gelangten wohl im 12. Jahrhundert an die Herren von Isenburg. Urkundlich, aber nicht namentlich erwähnt wird es erstmals 1222. Ende des 13. Jahrhunderts kam es an die Grafen von Katzenelnbogen, die Burg Reichenstein erbauen liessen und 1324 die Stadtrechte erwirkten. Die Stadt mit 200 Einwohnern erhielt auch eine Befestigung, von der zwei Türme erhalten blieben. Sie lebte von Fischfang und Weinbau, für Landwirtschaft war der Uferstreifen zu schmal. Vor allem der Salmfang lohnte sich. Um 1800 waren noch 44 Salmfischer tätig, doch die zunehmende Rheinschifffahrt und die abnehmende Wasserqualität erlaubte die Fortsetzung nicht. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg war endgültig Schluss. St. Goarshausen wuchs daher auch kaum. 1587 zählte es 39 Familien mit etwa 210 Seelen, 1635 starben 178 der rund 220 Einwohner an der Pest, 1798 zählte man 411 Einwohner in 88 Häusern. Trotzdem wurde St. Goarshausen 1816 auch amtlich zur Stadt und zum Amtssitz im neu gegründeten Herzogtum Nassau erklärt. 1859 bis 1862 wurde auf dem ohnehin engen Terrain auch noch die Eisenbahn gebaut, 16 Wohnhäuser fielen der Streckenführung zum Opfer, doch dadurch entwickelte sich ein Geschäftsviertel und St. Goarshausen wandelte sich zum Fremdenverkehrsort mit der Loreley als Hauptanziehungspunkt. Sehenswert sind neben den erwähnten zwei Stadttürmen, dem Runden Turm und dem Viereckigen Turm (Gaststätte und Museum) das Alte Rathaus von 1532, die evangelische Kirche von 1863 und die katholische Pfarrkirche St Johannes der Täufer, von 1923-25, in der sich ein Altargemälde aus der Schule von Lucas Cranach dem Älteren befindet. Eine Auto- und Personenfähre verbindet St. Goarshausen mit St. Goar. Burg Katz, eigentlich Burg Neu-Katzenelnbogen, wurde um 1371 durch Graf Wilhelm II. von Katzenelnbogen als Reaktion auf den Bau von Burg Maus durch die Trierer Erzbischöfe erbaut. Aus dieser Zeit stammt noch die Burgkapelle. Graf Johann von Katzenelnbogen ließ die Burg 1395 weiter ausbauen. Nach dem Aussterben der Grafen von Katzenelnbogen gelangte Burg Katz im Jahre 1479 durch Erbschaft in den Besitz der Landgrafen von Hessen die sie mit Rheinfels und Reichenberg zu einem Festungswerk verstärkten. So wurde der Bergfried auf eine Höhe von 60 Metern aufgestockt. Die Streitigkeiten zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt im 17. Jahrhundert führten zur Belagerung. Sie überstand Besetzungen und Kriege, bis sie im Jahre 1806 als eine der letzten Burgen am Rhein auf Napoleons Befehl durch französische Truppen gesprengt wurde. Nach einigen Besitzerwechseln wurde die Ruine 1896 bis 1898 durch den Landrat Ferdinand Berg wieder ausgebaut. Der Bergfried ist bis heute Ruine. 1989 verkauft, ist Burg Katz zur Zeit in japanischem Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Burg Maus, auch Deuernburg, Thurnberg oder Peterseck genannt, liegt oberhalb des Stadtteils Wellmich, einer fränkischen Gründung. Sie wurde vom Trierer Erzbischof Boemund II., Graf von Saarbrücken im Jahre 1355 zur Sicherung seines neu erworbenen Besitzes errichtet und wurde zur beliebten Residenz, daher musste der Wohnturm bald zu seiner doppelten Fläche erweitert werden. Den Namen Maus verdankt sie wohl dem Spott der Grafen von Katzenelnbogen. Burg Maus endete, da sich niemand mehr darum kümmerte, im Jahre 1806 als Ruine und wurde verkauft. Erst um 1900 wurde sie durch den Architekten Gärtner aus Köln unter Berücksichtigung des vorhandenen mittelalterlichen Erscheinungsbildes wieder aufgebaut. Das Innere birgt wertvolle Möbel und Sammlungen und einen Adler- und Falkenhof. Öffnungszeiten: Ende März bis Anfang Oktober täglich ab 10 Uhr. Um 11.00 und 14.30 Uhr, an Sonn- und Feiertagen auch um 16.30 Uhr Flugvorführungen mit Lehrvortrag. Telefon: 06771/7669 Fax: 06771/951003 In Wellmich, 1042 erstmals erwähnt und seit 1969 zu St. Goarshausen gehörig, ist die St.-Martins-Kirche sehenswert, sie stammt im Kern aus dem 14. Jahrhundert, zu sehen sind gotische Fresken, das Grabdenkmal des 1538 verstorbenen Ritters Coryn von Nassau, eine schöne Piéta des 14. und ein St. Martin des 15. Jahrhunderts. Der gastliche Rheinort Kestert war früher als Obst- und Kirschen-Gemeinde bekannt. Von Kestert bietet sich eine eindrucksvolle Aussicht auf die gegenüberliegende Felswand, eine der größten und steilsten am Mittelrhein. In St. Goarshausen werden vielfältige Aktivitäten angeboten, falls man vor lauter interessanten Besichtigungen überhaupt noch zu etwas anderem kommt. Seit 1999 führt der Bergbau und Landschaftspfad von Wellmich über Prath nach Ehrental. Angeboten werden auch Schiffstouren und mehr. |
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